Was bedeutet Kitzeln?

Das Kitzeln bezeichnet ein bestimmtes Berühren des Körpers eines Menschen oder Tieres. Wenn ein Mensch einen anderen an empfindlichen Körperregionen kitzelt, löst dies einen unfreiwilligen und oft unkontrollierbaren Reflex aus, der sich in Lachen, Schreien, Zucken und hektischen (Abwehr)-bewegungen äußert. Auch Tiere, die entweder vom Menschen gekitzelt werden oder, wie es bspw. bei Schimpansen beobachtet werden kann, von Artgenossen gekitzelt werden, zucken oder bewegen sich heftig und jaulen, hecheln oder machen evtl. anderweitige Geräusche.

Formen des Kitzelns

Zwei Arten werden unterschieden: Die Knismesis-Darunter versteht man ein sanftes streichelndes Kitzeln, welches durchaus angenehm und gegebenenfalls auch erotisch wirken kann. Und die Gargalesis – Ein starkes unangenehmes Kitzeln, bei dem mit Druck auf empfindliche Körperstellen eingewirkt wird.

Kitzeln als Intervention

Das Kitzeln stellt eine gesellschaftliche Intervention dar, das bedeutet, dass jemand, der sich selbst kitzelt, nicht lacht, er braucht also eine andere Person dazu. Laut Charles Darwin können dies nur Personen sein, zu denen der jeweilige Mensch eine soziale Verbindung hat. Das Lachen wäre somit ein Ausdruck von Genusserwartung, während das Kitzeln eines Fremden eher Unbehagen auslöst. Außerdem funktioniere das affektive Lachen auch nur dann, wenn die Stelle, die gekitzelt werden soll, vom Kitzelnden vorher nicht verraten wird, so Darwin. Dies ist allerdings eine sehr vage Theorie.

Besonders empfindliche Körperstellen

Besonders der Bauch ist für das Kitzeln sehr empfänglich

Besonders der Bauch ist für das Kitzeln sehr empfänglich

Die meisten Menschen und Tiere sind an Bauch, Taille, Rippenbereich, Füßen und/ oder Achseln besonders kitzlig. Die Psychologin Christine Harris vermutet hinter dem Kitzlig-sein einen Schutzmechanismus, der das Schützen besonders wichtiger und empfindlicher Körperregionen einüben sollte.

Was kitzelt wird geschützt

Unter den Rippen und dem Bauch liegen bspw. sensible Organe und die Füße sind nötig um bei Gefahr zu flüchten. Dieses Schützen der Körperstellen wird spielerisch in der Gruppe geübt. Das Lachen des „Übungsopfers“ bringt den Gruppenmitgliedern Spaß und animiert sie so zum Kitzeln.

Foltermethode

Lang anhaltendes Kitzeln kann als so unerträglich empfunden werden, dass es als Folter bezeichnet werden kann und auch bis ins Mittelalter als Foltermethode angewandt wurde. Das Opfer wurde im „Stock“, einem speziellen Pranger, fixiert und konnte von jedem, der vorbei kam an den Füßen gekitzelt werden. Dies wurde so lange durchgeführt, bis man von dem Gefolterten schlussendlich die Informationen bekamt, die man brauchte.

Die häufigsten Fragen über Kitzeln

    • Warum kann man gekitzelt werden?
      Wissenschaftler sind sich hier nicht ganz einig. Die Mehrheit geht jedoch davon aus, dass Berührungen empfindlicher Körperregionen Reflexe auslösen, um auf Gefahren aufmerksam zu machen. Die Berührungen alarmieren das Gehirn, woraufhin der Körper reagiert. Zumeist mit Lachen, Schreien, Zucken oder Abwehrbewegungen. Ein anderer Grund könnte die Festigung sozialer Bindungen sein. Das Zusammenspiel von Aktion und Reaktion beim Kitzeln lässt sich Menschen einander näher fühlen. 

  • Wie kitzelt man richtig?
    Am besten durch üben, üben, üben. Denn Kitzeln erfordert Fingerspitzen-gefühl, da es auf Dauer sogar schmerzhaft für das “Opfer” sein kann. Durch leichte Berührungen mit Fingerspitzen, Federn oder Pinseln können sanfte Reaktionen ausgelöst werden. Um richtiges Gelächter und Gekreische beim Anderen zu erzeugen, übt man am besten mit den Fingerspitzen sanften Druck auf die Stellen aus – etwa wie beim hektischen Trommeln auf eine Tischplatte.
  • Warum sind wir nicht alle an den selben Stellen kitzelig?
    Dies liegt an der unterschiedlichen, individuellen Verteilung von Neurorezeptoren unter bzw. in der Haut, welche Berührungsreize unterschiedlich stark an das Gehirn weiterleiten.
  • Kann man kitzelige Stellen immun machen?
    Da es sich beim Kitzeln um einen Fremdreflex handelt, können die Reaktionen durch Gewöhnung abgeschwächt werden. Manche Menschen sind auch dazu in der Lage, diese Reaktionen willentlich zu unterdrücken.
  • Ist man schizophren wenn man sich selbst kitzeln kann?
    Tatsache ist, dass Schizophrene sich tatsächlich kitzeln können. Trotzdem kann man nicht automatisch vom “selbst-kitzeln-können” auf Schizophrenie schließen. Beispielsweise können unbeabsichtigte Berührungen empfindlicher Stelle des eigenen Körpers zu den selben Reaktionen führen.
  • Kann kitzeln gefährlich werden und sogar tödlich sein?
    Nur, wenn man es übertreibt und nicht auf die Signale seines “Opfers” achtet. Denn halten Lachen und Abwehrbewegungen zu lange an, kann man kollabieren, Schmerzen und Krämpfe der Bauchmuskulatur oder sogar Atemnot erleiden. Bei der Folter wurden viele auch wahnsinnig. Für gewöhnlich ist hierfür aber stundenlanges Kitzeln nötig. Zu Todesfällen kam es selbst bei der Folterung durch diese Methode kaum.
  • Die Foltermethode
    Hierbei gibt es zwei häufig praktizierte und bekannte Methoden. So wurden im Osmanischen Reich die Fußsohlen des zu Folternden mit einer Feder so lange gekitzelt, bis das Opfer geständig wurde. In anderen Teilen der Welt, vornehmlich in Großbritannien, wurde das Opfer auf dem Rücken liegend festgespannt, die Fußsohlen mit Salz eingerieben, welches von einer Ziege abgeleckt wurde. Dies führte zu den selben Reaktionen. Verschärft wurde diese Methode dadurch, dass die Füße wund wurden und das Salz ein brennendes Gefühl verursachte.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *